Holzbeute oder Magazin — eine ruhige Erörterung der Beutenfrage
Holzbeute gegen Magazin: die Beutenfrage trennt Stadtimker:innen leiser, als es scheint. Eine Erörterung der praktischen Unterschiede — Gewicht, Wärme, Rähmchenmaß — und der ästhetisch-ethischen Dimension, ohne Urteil. Am Ende geht es ohnehin um die Frage, wie oft man eingreifen will.
In jeder Werkstatt, in der seit ein paar Jahren geimkert wird, steht früher oder später eine zweite Beute herum, die nicht mehr benutzt wird. Meistens, weil das System nicht mehr passt: man hat mit einer Magazinbeute angefangen und ist auf eine Trogbeute umgestiegen, oder umgekehrt. Die alte Beute bleibt stehen, gut aussehend, gut riechend nach Wachs und altem Holz, und sie erinnert daran, dass es in der Imkerei nicht die Beute gibt, sondern eine Reihe von Entscheidungen, die jede für sich ihren Sinn ergibt und die nebeneinander Bestand haben.
Wir wollen heute keine Empfehlung aussprechen. Wir wollen die beiden Hauptlinien nebeneinanderstellen — Holzbeute und Magazinbeute — und schauen, was sie über die Art der Imkerei aussagen, zu der sie verleiten.
Was die Begriffe meinen
Mit Holzbeute meinen wir hier die in der mitteleuropäischen Tradition stehenden einteiligen Beutentypen, vor allem die Hinterbehandlungsbeute — eine kastenförmige Beute, bei der die Rähmchen waagerecht von hinten herausgezogen werden, oft mit Honigraum oben und Brutraum dahinter — und die Trogbeute, eine langgestreckte, von oben offene Holzkiste, in der alle Rähmchen nebeneinander hängen, ohne räumliche Trennung zwischen Brut und Honig. Beide Typen sind massiv gebaut, oft aus zweieinhalb Zentimeter starkem Weymouthskiefer- oder Lärchenholz, manche aus Stroh, und sie sind als Ganzes für ein Volk gedacht: man baut sie auf, man nimmt sie nicht mehr auseinander.
Die Magazinbeute dagegen ist ein modulares System. Sie besteht aus einzelnen, etwa zwanzig bis fünfundzwanzig Zentimeter hohen Zargen (so heißen die einzelnen Kästen), die übereinandergestapelt werden. Unten ein oder zwei Bruträume, oben nach Bedarf zusätzliche Honigräume. Wird das Volk stark, setzt man eine Zarge auf; wird es schwach, nimmt man eine ab. Die Rähmchen werden von oben gezogen. Bekannt sind diese Systeme in mehreren Rähmchenmaßen: Zander, in Deutschland am verbreitetsten, Deutsch-Normal in einer leichten Variante, Dadant mit niedrigerem Honig- und höherem Brutraum.
Gewicht, Wärme, Eingriff
Der unmittelbarste Unterschied ist das Gewicht. Eine volle Magazinbeuten-Zarge mit zehn Rähmchen Honig wiegt zwischen zwanzig und fünfundzwanzig Kilogramm. Wer mehrere Zargen abnimmt, hebt im Lauf eines Erntetages mehrere Hundert Kilogramm. Die Holzbeute hingegen wird im Ganzen nie bewegt; die Rähmchen werden einzeln entnommen, was pro Rähmchen anderthalb bis drei Kilogramm bedeutet. Für ältere oder rückenschonende Imker:innen ist das ein nicht zu unterschätzender Punkt.
Ein zweiter Unterschied liegt in der thermischen Masse. Eine massive Holzbeute mit dicken Wänden hält Temperaturen langsamer aus, kühlt langsamer ab und erwärmt sich langsamer. Im Winter heißt das: das Volk braucht weniger Energie, um den Wintersitz auf etwa fünfundzwanzig bis fünfunddreißig Grad zu halten. Im Sommer heißt es: das Brutnest kommt bei Hitzewellen weniger aus dem Gleichgewicht. Die dünneren Wände einer Magazinbeute — in der Regel achtzehn bis zwanzig Millimeter — sind thermisch schwächer; die Bienen kompensieren das mit höherem Futterverbrauch im Winter und stärkerem Fächeln im Sommer. Auf den Honigertrag wirkt sich beides messbar aus, in welche Richtung, ist bestritten.
Der vielleicht wichtigste Unterschied liegt aber im Eingriff. Eine Magazinbeute ist gebaut für häufige Kontrolle. Wer einmal in einer ruhigen Stunde nachsehen will, ob die Königin legt, hebt eine Zarge ab, kontrolliert zwei oder drei Rähmchen, setzt zurück. Das dauert zehn Minuten. Eine Holzbeute öffnet sich nicht so. Die Hinterbehandlungsbeute verlangt, dass man die hintere Tür öffnet, einen Rauchstoß setzt, zwei Rähmchen vorsichtig herauszieht, ohne dabei die Wabengasse zu stören. Die Trogbeute zwingt, weil sie offen ist, zum Blick auf das gesamte Volk auf einmal. Beides ist langsamer. Beides verlangt mehr Geduld und gibt im Gegenzug weniger schnelle Information.
Eine ästhetisch-ethische Differenz
Hier wird die Frage zur Geschmacksfrage. Die Magazinbeute lädt zum Wachstum ein. Wer einmal aufstockt, kann nochmal aufstocken, und das System belohnt jedes Mal mit Zuwachs. Es ist die Beute der zwei, fünf, zwanzig Völker, der Wanderschaft, der zunehmenden Spezialisierung. Sie macht das, was man tut, skalierbar — und Skalierbarkeit ist, im Guten wie im Bedenklichen, eine Form von Versprechen.
Die Holzbeute widersetzt sich diesem Versprechen. Eine Trogbeute hat ihre Maximalgröße eingebaut: zwanzig, vierundzwanzig Rähmchen, mehr passt nicht. Wird das Volk größer, schwärmt es, und das Schwarmverhalten ist Teil des Systems, nicht sein Versagen. Eine Hinterbehandlungsbeute setzt die Honigräume nicht in die Höhe, sondern in begrenzter Tiefe nach hinten; sie kann nicht wachsen wie ein Stapel, und sie soll es nicht. Wer mit Holzbeuten imkert, akzeptiert eine Begrenzung, die andere Systeme nicht kennen.
Für eine Imkerei, die sich als Stadthobby begreift, die zwei oder drei Völker auf dem Hinterhof oder dem Garagendach hält und die diese Zahl auch in fünf Jahren nicht überschreiten will, scheint uns die Holzbeute die in sich stimmigere Wahl. Sie zwingt nicht zum Wachstum. Sie verlangt die ruhigen Bewegungen, die ein Volk ohnehin verlangt. Sie altert auf eine Weise, die einer Werkstatt gut tut: die Lärchenflanke wird grau, die Falze ziehen sich, das Wachsdurchträger riecht nach zehn Jahren immer noch nach Wachs.
Das ist, das sei betont, eine Meinung. Es gibt sehr gute Argumente für das Magazinsystem, gerade in der Anfangszeit, in der man häufig schaut, weil man noch lernt, und in der das Auf- und Abstapeln eine willkommene Form von Kontrolle ist. Niemand, der bei einem Magazin bleibt, hat unrecht.
Die wirkliche Frage
Worauf alles hinausläuft: die Beutenwahl ist eine Wahl darüber, wie oft man das Volk stören will. Wer zwölf Mal im Jahr nachsehen möchte, ist mit einer Magazinbeute besser bedient. Wer vier Mal nachsehen möchte und ansonsten am Flugloch beobachtet, ist mit einer Holzbeute besser bedient.
Und vielleicht ist genau diese Wahl — nicht zwischen Systemen, sondern zwischen Häufigkeiten — der eigentliche Punkt. Eine Beute zu kaufen heißt, sich auf eine Form von Aufmerksamkeit festzulegen. Manche Aufmerksamkeit ist täglich und messend, andere ist saisonal und horchend. Beides ist Imkerei. Die Werkstattwand reicht für beide.